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«Rassismus beginnt oft im Kleinen»
gggfon-Leiterin Nina Ramseier spricht im neo1-Wochengespräch über Erfahrungen aus der Beratung und Begegnungen mit Betroffenen. Sie erklärt, warum Rassismus häufig im Alltag passiert und nicht immer sofort erkannt wird. Auch die Aktionswoche gegen Rassismus im Kanton Bern soll dafür sensibilisieren. Und sie zeigt: Einen klaren Stadt-Land-Graben gibt es beim Thema Rassismus kaum.
"Das ist doch nicht rassistisch gemeint gewesen" – ein Satz, der oft fällt. Und dennoch kann er für Betroffene verletzend sein. Genau hier setzt die Aktionswoche gegen Rassismus im Kanton Bern an: Sie will aufzeigen, dass Diskriminierung nicht nur in extremen Fällen vorkommt, sondern auch im Alltag – in Bemerkungen, Blicken oder Entscheidungen.
Unterwegs ist dabei auch die Beratungsstelle gggfon. Das Angebot richtet sich an Menschen, die von Rassismus betroffen sind, aber auch an Interessierte. "gggfon ist ein Beratungsangebot für Menschen, die direkt betroffen sind – aber auch eine Anlaufstelle für alle, die sich informieren wollen", sagt Leiterin Nina Ramseier. Neben Beratungen ist die Organisation auch in Schulen aktiv und leistet Präventionsarbeit.
Die Nachfrage ist hoch: Allein im Jahr 2024 wurde das gggfon über 600 Mal kontaktiert, darunter mehr als 280 konkrete Meldungen zu rassistischen Vorfällen. Diese reichen von abwertenden Bemerkungen bis hin zu strukturellen Problemen, etwa im Arbeitsumfeld. "Vielen hilft es schon, den Vorfall bei uns zu platzieren und darüber zu sprechen", so Ramseier. In gewissen Fällen begleite das gggfon auch Gespräche zwischen den Beteiligten.
Die Themen hätten sich in den letzten Jahren kaum verändert, sagt Ramseier – die Offenheit aber schon. Rassismus werde heute häufiger angesprochen. Dabei zeigt sich: Unterschiede zwischen Stadt und Land sind kleiner als oft angenommen. "Die Themen rund um Rassismus sind überall ähnlich."
Mit Aktionen wie einem sogenannten "Privilegien-Rennen" will die Aktionswoche diese Unterschiede sichtbar machen. Teilnehmende schlüpfen dabei in verschiedene Rollen und erleben, wie unterschiedlich Chancen im Alltag verteilt sein können. Das Ziel: zum Nachdenken anregen. Für die Zukunft wünscht sich Ramseier vor allem eines: "Es geht darum, hinzuschauen und sich zu hinterfragen. Und den Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind."
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