Viele Aktionen für Milchprodukte (Bild: neo1 / Sarina Wälti)
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Milchproduzenten unter Druck: Preissenkung sorgt für Kritik
Die Milchproduzentinnen und -produzenten in der Schweiz müssen sich auf weniger Einkommen einstellen. Der Richtpreis für Milch wird gesenkt – ein Entscheid, der für viele schwer zu akzeptieren ist.
Schweizer Bäuerinnen und Bauern erhalten ab sofort weniger Geld für ihre Milch. Der Richtpreis sinkt je nach Region und Genossenschaft um rund vier Rappen pro Kilo. Der Entscheid sei nicht schön, aber unvermeidbar, sagt Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, die den Preis festlegt. "Die Situation ist sehr angespannt", erklärt Kohler. "Auf dem europäischen Milchmarkt gibt es derzeit ein grosses Überangebot – auch in der Schweiz. In den Nachbarländern fallen die Preise noch stärker, und wir müssen mithalten, um konkurrenzfähig zu bleiben."
Für viele Betriebe bedeutet die Senkung ein Loch in der Kasse. Entsprechend kommt Kritik vom Berner Bauernverband. "Aus unserer Sicht wäre die Preissenkung nicht nötig gewesen", betont Leana Waber aus der Geschäftsleitung. "Der inländische Milchmarkt funktioniert – das Problem liegt eher bei den Importen und der Verarbeitung." Der Verband hätte es lieber gesehen, wenn bei der Verarbeitung gespart würde, statt bei den Produzentinnen und Produzenten. Milch bleibe damit auch ein politisches Thema. "Wir erwarten, dass auch an anderen Stellen hingeschaut wird – nicht nur bei den Bauern", so Waber.
Sie hofft zudem, dass Konsumentinnen und Konsumenten künftig bewusst zu Schweizer Produkten greifen. Denn klar ist: Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Für die Betroffenen dürfte das Jahr schwierig werden. Auch im Handel sind die tieferen Preise spürbar – Fachleute rechnen mit mehr Aktionen und Rabatten auf Milchprodukte. Der tiefere Richtpreis gilt vorerst bis Ende Jahr.
Frustration bei Milchproduzenten
Für viele Bauernfamilien sei die Milchpreissenkung ein schwerer Schlag, sagt Leana Waber. Sie können die Produktionskosten nicht entsprechend senken und bezahlen den Minderertrag damit aus der eigenen Tasche. Der Frust sei auch gross, weil sich die Produzentinnen und Produzenten in den Verhandlungen über den Milchpreis nicht erstgenommen fühlen.
Es erstaunt daher nicht, dass in den sozialen Medien und auf Whatsapp derzeit eine Mitteilung kursiert, die die Begründung für und die Berichterstattung über die Milchpreissenkung kritisiert. Es gebe keine Milchüberproduktion, sondern viel mehr zu hohe Importmengen bei Milchprodukten und Käse. Nun müssten die Milchbauern dafür zahlen. Dem widerspricht hingegen Stephan Hagenbuch von den Schweizer Milchproduzenten im Schweizer Bauer. Die Zahlen zeigen zwar schon, dass mehr Käse importiert wurde und die Milchmenge in der Schweiz zurück ging, gibt er zu. Trotzdem lasse sich nicht leugnen, dass es im letzten Jahr einfach viel mehr Milch gab. Zudem seien die Produktionskapazitäten wegen der Schliessung von Standorten gesunken. Die gestiegene Milchmenge konnte daher auch nicht verarbeitet werden. Es bleibe den Milchbauern daher nichts anderes übrig, als in diesem Jahr die Produktion zu drosseln.
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