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| Wochengespräch

"In 50 Jahren gibt es im Mittelland keine Forellen mehr" - David Bittner im Wochengespräch

"Für die Fische stehen die Zeichen auf Tragödie" - so warnte diese Woche der Schweizerische Fischerei-Verband. Ein kurzes Gewitter reiche nicht aus, damit sich die Lage entspannt, klärt David Bittner, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbands auf. Warum Gewitter für die Fischarten Forelle und Äsche zusätzlichen Stress bedeuten können und wie sehr es den Biologen schmerzt, wenn er sieht das Kinder und Hunde die Fische an tiefen Badestellen jagen, erzählt David Bittner im neo1-Wochengespräch. 

Durch die vielen heissen Tagen in Folge erwärmen sich auch die Gewässer in der Schweiz. Die Aare knackte bei Bern den Temperaturrekord: 23. 93 Grad. Auch der Thunersee war historisch warm:  24.4 Grad wurde gemessen. Was zum Baden angenehm ist, ist für Fische lebensgefährlich. Weil in warmen Wasser weniger Sauerstoff vorhanden ist, können die Fische ab einer Wassertemperatur von 25 Grad sterben, erklärt Biologe. David Bittner. Auch wenn es zwischenzeitlich Gewitter gab, reiche das nicht, damit sich die Lage für die kältebedürftigen Fische wie die Forelle und die Äsche entspannt: "Gewitter können im ersten Moment die Situation sogar noch verschlimmern. Das weil plötzlich sehr viel Wasser auf die minimalen Wasserpegel trifft. Das heisse Wasser von den Strassen bringt Partikel mit. Diese können die Fische - die im Wasser atmen - an den Kiemen verletzen." Entspannung sei das nicht, die Situation werde sich in den nächsten Tagen erneut zuspitzen.

Langfristig keine guten Aussichten für die Forelle und die Äsche 

Es ist nicht die erste Hitzeperiode in der Schweiz. Unter anderem auch 2018, 2015 und 2003 gab es viele heisse Tage in Folge. "Es gibt klare Studien, auch vom Bund, die zeigen, dass solche extremen Ereignisse häufiger werden", sagt David Bittner. "Auch gerade wenn ich an die Flutwelle in der Emme denke, auch solche Ereignisse sind Stressfaktoren für Fische. Diese müssen flüchten und Schutz suchen. Wenn dann noch Hitzeereignisse oder starker Regen dazu kommt ist der Druck auf die Fische gewaltig." Es gebe Modellberechnungen, die zeigen, dass die Forelle sowie die Äsche aus vielen Gewässern im Mittelland, in den unteren Lagen verschwinden wird. Dies schlicht aufgrund des Klimawandels, so der Biologe. "Es ist zu befürchten, dass es Verschiebungen geben wird. Wir müssen alle darauf hoffen, dass es in höheren Lagen noch Lebensraum geben wird für die Forellen." Gerade im heissen Sommer würden wir Menschen die Naturräume am Wasser sehr gerne aufsuchen. Dabei wünscht sich David Bittner, dass die Menschen der Natur mit mehr Respekt begegnen. Zum Beispiel dass der Abfall mitgenommen wird und Fischansammlungen in Ruhe gelassen werden.

 

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