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| neo1 Porträt

Vom Wetteinsatz zur Eselflüsterin: Das Leben der Regula Thönen

Ein verlorener Wetteinsatz, ein geschenktes Pferd, eine weinende Fremde an einem Esel-Fantreffen im Jura: Die Stationen im Leben der Regula Thönen wirken wie Zufälle. Zusammen ergeben sie den Weg einer Frau, die heute mit sechs Eseln in Häusernmoos Menschen dabei hilft, wieder zu sich selbst zu finden.

Ein Wetteinsatz mit einer Kollegin entscheidet über ihre erste Berufswahl: Wer die Drogistenlehrstelle bekommt, gewinnt. Regula Thönen setzt sich durch und ist selbst überrascht, wie wenig glücklich sie darüber ist. Es ist der erste Hinweis darauf, dass ihr Weg nicht geradlinig verlaufen wird: Nach der Lehre zur Drogistin und Gesundheitsberaterin AAMI folgt eine zweite Ausbildung, zur Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin FH, später ein Nachdiplomstudium in systemisch-lösungsorientierter Kurzzeittherapie und Beratung.

Während dieser Zeit hat Thönen längst ein eigenes Pferd und mit ihm den nächsten Wendepunkt vor der Tür. Um es nicht allein im Stall zu wissen, sucht sie ein Gspändli und findet in Schangnau den Esel Tobias. Was als Gesellschaft für ein Pferd gedacht ist, wird zur Berufung: Während ihrer Therapieausbildung plant sie zunächst, mit Pferden zu arbeiten. Doch ein Erlebnis an einem Esel-Fantreffen im Jura ändert alles: «Diese Begegnung hat mich stark getroffen und meine Überzeugung gestärkt, dass der Esel viel mehr kann, als wir denken», sagt Thönen.

Aus dieser Überzeugung heraus baut sie über 22 Jahre in Schwande ihre erste Eselei auf. Ihr Angebot: systemisch-lösungsorientierte Beratungsgespräche, kombiniert mit eselgestützter Therapie und Naturheilmitteln, wenn immer möglich draussen, in Bewegung. «Die Esel haben einen direkten Draht zu unserem Herz, zu unserer emotionalen Ebene», erklärt sie. «Durch sie finden erwachsene Menschen einen Zugang zu ihren eigenen Emotionen und können endlich benennen, was sie fühlen.» Was über zwei Jahrzehnte gewachsen ist, bricht 2022 innert kurzer Zeit zusammen: Die Pandemie kostet sie die Hälfte ihrer Tiere, ihr Vater stirbt, und den Wohnort in Schwande muss sie aufgeben.

Statt aufzuhören, baut Thönen neu auf. Mit den verbliebenen Eseln – Meridiana, Lisa und Isidor, der im Januar 2024 als jüngster Neuzugang auf dem Hof einzog, zieht sie nach Otterbach bei Häusernmoos. Heute bietet die Emmentaler Eselei dort nebst Beratung und Ausbildung auch Eselentdeckungstouren, ein Langohrenfrühstück und Erlebnistage für Gruppen und Familien an.

Bei allem Neuanfang ist ein alter Traum geblieben: Schon mit 40 wollte Thönen einmal allein mit zwei Eseln in den Süden ziehen. «20 Jahre später habe ich nun diese beiden Traumesel», sagt sie heute mit Blick auf Meridiana und die jüngst dazugekommene Hope. Nur die Pensionierung fehlt noch, dann beginnt die Reise.

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