Ein Lawine aus Eis, Schlamm und Geröll überschüttet das Dorf Blatten im Kanton Wallis (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)
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Katastrophe im Wallis: Gletscherabbruch und Murgang verschütten Blatten im Lötschental
Das Walliser Bergdorf Blatten ist am Mittwochnachmittag von einer massiven Schlammlawine verschüttet worden. Rund 90 Prozent des Orts wurden zerstört - ein Mensch wird vermisst.
Blatten (VS) – Ein verheerender Gletscherabbruch mit anschliessendem Murgang hat am Mittwoch gegen 15.30 Uhr das Dorf Blatten im Lötschental fast vollständig unter Geröll und Schlamm begraben. Laut dem Regionalen Führungsstab wurde rund 90 Prozent des Dorfs von einer meterhohen Schuttmasse bedeckt. Ein 64-jähriger Einheimischer wird derzeit vermisst – trotz intensiver Suchaktionen, auch mit Drohnen, Hunden und Wärmebildkameras, blieb er bis in die Nacht hinein unauffindbar. Noch am Donnerstagvormittag sei intensiv nach dem im Gebiet Tennmatten vermissten Mann gesucht worden, hiess es in der Mitteilung vom Nachmittag. Gefunden wurde er aber nicht. Die Suche nach dem vermissten Mann wird vorläufig eingestellt. Das Gelände sei zu gefährlich für einen weiteren Einsatz der Suchtruppe, schrieb die Walliser Kantonspolizei.
Der Gemeindepräsident von Blatten, Matthias Bellwald, zeigte sich bei einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in der Nachbargemeinde Ferden tief betroffen: „Das Unvorstellbare ist heute eingetreten, wir haben praktisch das sichtbare Dorf verloren.“ Er sei jedoch erleichtert, dass alle Einwohner:innen zuvor in Sicherheit gebracht werden konnten. „Das gibt uns die Kraft, das zu machen, was vor uns liegt. Wir haben das Dorf verloren, aber nicht das Herz.“ Bereits neun Tage vor dem Unglück, waren rund 300 Personen aus Blatten evakuiert worden, nachdem sich erste Hinweise auf einen drohenden Bergsturz gezeigt hatten.
Bundesräte versprechen Unterstützung vor Ort
Noch am Mittwochabend reisten Bundesräte Albert Rösti (SVP) und Martin Pfister (Mitte) ins Katastrophengebiet. Umweltminister Rösti zeigte sich erschüttert: „Ein solches Ausmass hätte ich nicht erwartet.“ Verteidigungsminister Pfister sicherte militärische Hilfe zu und lobte das Krisenmanagement: „Dank der Evakuierung konnte Schlimmeres verhindert werden.“
Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) will am Freitagnachmittag das Walliser Lötschental besuchen. Sie wird dort an einer Medienkonferenz in Wiler teilnehmen.
Auch der Walliser Regierungsrat Stéphane Ganzer betonte die Notwendigkeit umfassender Hilfe und versprach volle Unterstützung von Kanton und anderen Regionen. Spontan hätten sich bereits mehrere Kantone solidarisch gezeigt.
Naturgewalt ungekannten Ausmasses
Laut Raphaël Mayoraz, dem kantonalen Chef für Naturgefahren, handelt es sich um einen beispiellosen Vorfall in der Schweizer Geschichte. Der Schutt stürzte vom Kleinen Nesthorn ins Tal, zusammen mit einem massiven Abbruch des Birchgletschers. Rund drei Millionen Kubikmeter Material sollen sich talwärts bewegt haben. Die Schuttmasse sei zwischen 50 und 200 Meter dick.
Zusätzliche Gefahr droht nun durch den Fluss Lonza, der durch den Murgang teilweise aufgestaut wurde. Ein neu entstandener See wachse stetig, sagte Mayoraz. Zwar seien angrenzende Häuser bereits evakuiert worden, doch sei das Risiko weiterer Überschwemmungen nicht abschätzbar. Auch der Stausee in Ferden wurde vorsorglich geleert. Im schlimmsten – jedoch wenig wahrscheinlichen – Fall könnte es zu einer Überflutung kommen.
Am Donnerstagmorgen sind im Lötschental weitere 16 Menschen aus ihren Häusern evakuiert worden. Es handelt sich bei den Betroffenen um Bewohner:innen von Kippel und Wiler sowie der Fafleralp. Diese Ortschaften befinden sich unterhalb von Blatten und wären bei einer Überschwemmung des Sees direkt betroffen.
Millionenfonds für Wiederaufbau
Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden hat unterdessen einen Soforthilfefonds von einer Million Franken eingerichtet. Das Geld soll für den Wiederaufbau der zerstörten öffentlichen Infrastruktur in Blatten verwendet werden. Auch Caritas Schweiz und das Schweizerische Rote Kreuz stellen 400'000 Franken bereit, um dort zu unterstützen, wo der Bedarf am grössten ist.
Dazu ruft die Glückskette zu Spenden auf für das Bergsturzgebiet im Lötschental. Sie will Betroffene direkt finanziell unterstützen, aber auch Betrieben mit Einkommensverlusten unter die Arme greifen. Die Glückskette will ihre Unterstützung in Absprache mit der Gemeinde Blatten und den Walliser Behörden leisten. Die Modalitäten für Unterstützungsgesuche sollen so bald wie möglich bekanntgegeben werden. (sda)
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