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Historisches Museum Bern hinterfragt Mythos der Murtenschlacht
Im Bernischen Historischen Museum wird erstmals seit der Expo.02 ein kleiner Teil des Panoramabilds der Murtenschlacht gezeigt. Anlässlich des Erinnerungsjahrs "550 Jahre Schlacht bei Murten" geht das Museum der Frage nach, wer die Geschichte von Kriegen schreibt.
Sie hat sich in das kollektive Gedächtnis der Schweiz eingebrannt: Die Schlacht von Murten vom 22. Juni 1476, als die Eidgenossen und ihre Verbündeten die Truppen des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen besiegten. Schätzungsweise 10'000 Menschen verloren an einem einzigen Tag ihr Leben.
Die Geschichte der Schlacht wurde in den letzten Jahrhunderten immer wieder erzählt - immer wieder anders. In Murten etwa fand zum 400-Jahr-Jubiläum 1876 eine spektakuläre Inszenierung statt. Die patriotische Feier war die Basis für das monumentale Bild der Schlacht, das die Zürcher Panoramagesellschaft 1894 anfertigen liess.
Inszenierungen wie das Panorama beeinflussen die Wahrnehmung der Betrachtenden und sagen meist mehr über die Zeit ihrer Entstehung als über das historische Ereignis selber aus. Wer erzählt die Geschichte? Zu welchem Zweck? Und wem nützen die Inszenierungen von Krieg? Die Leiterin Bereich Programm des Bernischen Historischen Museum Aline Minder sagt: "Es ist unsere Aufgabe als Historisches Museums aufzuzeigen, dass Geschichte lückenhaft ist. Dass Geschichte oft die Seite der Sieger erzählt und die Seite der Verlierer ausblendet."
In seiner Ausstellung "Murten, ausgeschlachtet. Ein Sieg wird in Szene gesetzt" zeigt das Museum verschiedene Inszenierungen der Schlacht von Murten und wie schwierig es ist, sie und die Realität auseinanderzuhalten. Diese bittere Realität zeigt ein "dunkler Zwischenraum", wie ihn das Museum nennt. Er steht für Schlachten und Kriege als von Gewalt und Tod geprägte Erfahrungen.
Digitales Panorama inklusive Soundkulisse
Der Star der Ausstellung ist eine liegende Rolle des berühmten Murtenpanoramas, von der aber nur ein kleiner Teil einsehbar ist. Eine Tonne schwer ist sie gemäss dem Museum, sie lässt die Dimensionen des vollständigen Rundgemäldes erahnen: 100 Meter lang, 10 Meter hoch.
Besuchende können das Panoramabild dennoch vollständig betrachten: Wenn sie in der Mitte eines Raumes stehen, umgeben von einer 360-Grad-Leinwand, auf die die digitale Version des Panoramas projiziert wird. 1,6 Terapixel beträgt die Auflösung des Digitalisats, in welches mittels Controller und untermalt von einer Soundkulisse weit hereingezoomt werden kann.
Das Digitalbild wurde vom Labor für experimentelle Museologie der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) aus 27'000 Einzelaufnahmen gefertigt und wird nun erstmals öffentlich gezeigt.
Die Schweiz machte in der Schlacht von Murten reiche Beute. Das Museum zeigt einige der Kriegstrophäen, die über die Jahrhunderte zu Kulturgütern wurden, etwa eine Caesar-Tapisserie.
Panorama soll dauerhaft gezeigt werden
Das Panorama der Schlacht von Murten war letztmals an der Landesausstellung Expo.02 im Jahr 2002 vollständig gezeigt worden. Nach einer Restaurierung war es in einem von Jean Nouvel errichteten Kubus - dem sogenannten "Monolithen" - auf dem Murtensee fünf Monate lang ausgestellt. Die für das Bild zuständige Stiftung arbeitet momentan daran, das Panorama dereinst dauerhaft zeigen zu können.
Die Ausstellung im Bernischen Historischen Museum dauert bis zum 9. Mai 2027. (sda/neo1)
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