Ausblick über Zollbrück (Bild: Symbolbild aus dem Emmental, neo1)
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Der Heimatort als Verbindung zur Vergangenheit
Der Heimatort begleitet uns unser ganzes Leben lang. Immer wieder schreiben wir ihn auf Dokumente oder sehen ihn im Pass. Doch hat der Heimatort überhaupt einen Nutzen? Und warum gibt es so viele Menschen in der Schweiz mit einem Emmentaler Heimatort? Lokalhistoriker Hans Minder aus Lauperswil klärt auf.
Langnau, Trub, Sumiswald, Eggiwil oder Röthenbach i.E. Der Heimatort hat für die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer keinen Nutzen. Es gäbe aber zwei Ausnahmen, so der Emmentaler Lokalhistoriker Hans Minder: «Auslandschweizerinnen und -schweizer, die nie in der Schweiz gelebt haben und somit auch keine Schweizer Wohngemeinde haben, können ihre politischen Rechte in ihrem Heimatort wahrnehmen.» Heisst: wer als Auslandschweizer:in abstimmen oder wählen möchte, kann dies im Heimatort tun. Dies hat zur Folge, dass die Stimmbeteiligung in Trub immer etwas verfälscht wird, so Hans Minder: «Viele Auslandschweizer:innen nehmen ihre politischen Rechte nicht wahr, weil sie ja nicht in der Schweiz leben. Weil viele dieser Leute Heimatort Trub haben, sieht es dann für den Rest der Schweiz so aus, als wären die Truberinnen und Truber stimmfaul. Das stimmt aber nicht, die Stimmbeteiligung wird von den Auslandschweizer:innen gedrückt.»
Wichtiger Anhaltspunkt für die Familienforschung
Eine zweite Funktion des Heimatortes: Er ist eine Art «Lagerplatz» für Informationen über die eigenen Vorfahren. Da der Heimatort über Generationen hinweg weitervererbt wird, ist klar, dass dort mal jemand aus der eigenen Familie gelebt hat. «Für uns Familienforscher und Historikerinnen ist der Heimatort ein wichtiger Anhaltspunkt», so Hans Minder. In den Archiven der Gemeinden findet man oft sehr alte Dokumente wie Taufregister oder Strafregister, in denen die eigenen Vorfahren auftauchen.
Viele Schweizer:innen haben einen Emmentaler Heimatort
In der ganzen Schweiz gibt es rund 20'000 Menschen mit Heimatort Eggiwil. Das obschon in Eggiwil selber nur rund 2'500 Menschen leben. Bei anderen Emmentaler Gemeinden verhält es sich ähnlich. Daten des Bundesamts für Statistik zeigen auch: Menschen mit einem Emmentaler Heimatort leben in der ganzen Schweiz verteilt. Lokalhistoriker Hans Minder erklärt, warum das so ist: «Es sind mehrere Faktoren, die zusammenspielen. Zum Beispiel hatten die Emmentaler ein spezielles Erbsystem. Das Erbe, der Hof, wurde nicht aufgeteilt, der Jüngste erbte alles, die anderen Geschwister bekamen nichts. So gab es wenige sehr reiche Bauern und sehr viele Arme, die selber schauen mussten.» Viele kehrten darum dem Emmental den Rücken und suchten ihr Glück anderswo. «Und da spielte ein weiterer Faktor mit. Die Emmentaler Bauern hatten einen guten Ruf. Sie galten als tüchtig und waren darum als Pächter beliebt», so Hans Minder. Auch das begünstigte die Abwanderung vieler Menschen aus dem Emmental in die ganze Schweiz hinaus. Welche Faktoren noch eine Rolle spielten, für die heutige Situation, dass sehr viele Menschen in der ganzen Schweiz verteilt einen Emmentaler Heimatort haben, hört ihr in unserem Wochenthema.
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