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Zwischen «Galööri» und Töpferscheibe - zu Besuch bei Eduard Kohler in Schüpbach

In der Töpferei von Eduard «Edu» Kohler in Schüpbach begegnet man schnell ungewöhnlichen Figuren: dem «Galööri», dem «Stürmi» oder dem «Plouderi». Dabei handelt es sich nicht um Dorfbewohner, sondern um typische berndeutsche Schimpfwörter. Genau diese stehen auf den Partybechern, die Kohler aus Steinzeugton herstellt.

Die Idee dazu entstand eher zufällig. Bei einer Partie Pétanque hinter seinem Haus kam es immer wieder zu Verwechslungen bei den mit Pastis gefüllten Gläsern. «Alle paar Minuten fragte jemand: ‹Weles isch jetzt mis?›», erzählt Kohler lachend. Zuerst versuchte er es mit nummerierten Bechern, doch auch Zahlen sorgten für Verwirrung. Die Lösung waren schliesslich Becher mit berndeutschen «Schlämperlige». Davon gibt es heute rund 180 verschiedene.

Am liebsten arbeitet der 64-Jährige an der Töpferscheibe in seinem Atelier, das er liebevoll «Budeli» nennt. Seine Keramik zeichnet sich durch einfache, klare Formen aus. «Ich mag schlichte Gefässe», sagt er. Die besonderen Effekte entstehen bei ihm vor allem durch Glasuren aus natürlichen Rohstoffen wie Lehm, Asche oder Gestein, mit denen er gerne experimentiert.

Das Handwerk hat in der Familie Kohler eine lange Tradition: Seit über 150 Jahren wird in Schüpbach getöpfert. Damit gilt die Töpferei als die älteste durchgehend bestehende im Emmental. Schon als Kind half Eduard Kohler im Betrieb mit. Während andere Fussball spielten, formte er zusammen mit seinem Bruder kleine Tierfiguren aus Ton.

Früh entschied er sich für den Weg als Keramiker und besuchte die Fachklasse Keramik an der Schule für Gestaltung in Bern. Anders als sein Bruder, der sich stärker der traditionellen Engobe-Keramik widmete, spezialisierte sich Kohler auf Steinzeugkeramik. Diese wird bei rund 1280 Grad gebrannt und ist besonders robust. «Durch die hohe Temperatur entstehen immer leicht unterschiedliche Stücke, jedes ist ein Unikat», erklärt er.

Heute arbeitet auch Tochter Helen Kohler im Familienumfeld mit Ton. Sie hat 2023 ihre Ausbildung zur Keramikerin abgeschlossen und wurde für ihre Arbeiten bereits ausgezeichnet. Einmal pro Woche arbeitet sie im Atelier ihres Vaters in Schüpbach.

Das traditionelle Handwerk hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Handgemachte Keramik steht heute in Konkurrenz zu günstiger Massenware. Trotzdem ist Kohlers Leidenschaft für den Beruf ungebrochen und sie hat längst auf die nächste Generation übergegriffen. So besteht die Hoffnung, dass die Töpfertradition der Familie auch in Zukunft weitergeführt wird und noch viele «Galööris» aus dem Ofen kommen.

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