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| Wochengespräch

Ein Jahr auf dem Eis – und mitten unter Pinguinen

400 Tage lang lebte der Madiswiler Thomas Schenk auf einer deutschen Forschungsstation in der Antarktis. Zwischen eisiger Weite, monatelanger Dunkelheit und Pinguinen erlebte der 33-Jährige eine Welt, die mit dem Alltag in der Schweiz kaum etwas gemeinsam hat.

Wenn Thomas Schenk von seinem Zuhause für rund ein Jahr erzählt, klingt die Umgebung fast unwirklich: eine riesige Eisfläche, weit und breit kaum etwas ausser Schnee und Eis. "Man fliegt an, und es ist einfach weiss. In alle Richtungen. Man hat auch Mühe, die Distanz einzuschätzen, weil alles gleich ist, es hat keine Objekte. Und dann irgendwann kommt so ein kleiner Punkt, wo du siehst: die Station. Ich habe nur gedacht, wie ein kleiner Muggeschiss." Genau dort, auf der deutschen Forschungsstation Neumayer III, verbrachte der Madiswiler rund 400 Tage. Als Techniker war er für die Technik und den Unterhalt der Station zuständig. Besonders herausfordernd war die Isolation: Während des antarktischen Winters war die Station über Monate weder mit dem Flugzeug noch mit dem Schiff erreichbar. Neun Menschen blieben zurück.

Für Schenk war diese Abgeschiedenheit zunächst ungewohnt. "Da hatte ich schon Respekt. Wo das letzte Flugzeug weg ist, weiss ich: Jetzt kann ich hier nicht mehr fort. Aber man gewöhnt sich auch daran." Die neun Personen mussten während Monaten auf engem Raum zusammenleben und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Station funktionierte.

Pinguine als besondere Nachbarn

Direkt bei der Forschungsstation lebte eine Gruppe Pinguine. Für Schenk waren sie mehr als nur ein gelegentlicher Anblick. Während seines Aufenthalts konnte er die Tiere über längere Zeit beobachten – von der Paarungszeit bis zum Schlüpfen der Jungtiere. "Uns ist nie langweilig gewesen, wir haben die Tiere immer beobachten können. Zuerst die Paarungszeit, dann hat man gesehen, wie sie die Eier an die Männchen übergeben – und plötzlich hat man gesehen, wie die Kleinen schlüpfen. Das war ein riesiges Privileg, das so beobachten und begleiten zu können."
Die Pinguine gehörten damit zu den besonderen Erlebnissen seines Aufenthalts. Statt sie wie viele Menschen nur aus dem Zoo zu kennen, erlebte Schenk die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung – direkt vor der Forschungsstation.

Zwei Monate Dunkelheit

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm auch die Polarnacht. Während rund zwei Monaten ging die Sonne nicht mehr auf. Statt Licht bestimmten Dunkelheit, Sterne und Polarlichter den Alltag. "Da werde ich ein bisschen emotional, wenn ich daran denke. Das ist mir eingefahren. Die unberührte Natur, unverbaut, unberührt von den Menschen. Da fühlt man sich wirklich klein. Ich habe das extrem genossen."
Auch die Temperaturen konnten Schenk nicht von seiner Begeisterung abbringen. Im Gegenteil: Die eisige Kälte empfand er teilweise sogar angenehmer als die Hitze in der Schweiz. "Auch die Temperaturen haben mir nichts gemacht. Ich hatte mehr Mühe hier in der Schweiz, wo es um die 30 Grad gewesen ist. Da habe ich die minus 30 Grad in der Antarktis angenehmer gefunden."

Kurz vor Weihnachten endete das Abenteuer. Nach rund 400 Tagen kehrte Thomas Schenk aus Madiswil in die Schweiz zurück. Ganz losgelassen hat ihn die Polarwelt aber nicht: Im darauffolgenden Frühling zog es ihn für zwei weitere Monate nach Grönland.

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