Das Trinkwasser kann überall ohne Bedenken getrunken werden. (Bild: neo1 / Archiv)
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Trinkwasserbelastung mit Chlorothalonil: 26 Berner Gemeinden betroffen
Eine Untersuchung des Kantons Bern hat gezeigt, dass in 26 von rund 140 überprüften Gemeinden die Grenzwerte für Chlorothalonil im Trinkwasser überschritten wurden.
Belastung des Grundwassers durch Pestizide
In der Schweiz ist das Grundwasser teilweise mit Rückständen von Pestiziden belastet. Da dieses Wasser zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, gelangen auch Spuren dieser Substanzen in das Trinkwasser. Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, darunter der Kanton Bern. Ein zentraler Fokus der aktuellen Messungen liegt auf Chlorothalonil, einem über Jahrzehnte hinweg eingesetzten Fungizid, sowie dessen Abbauprodukten (Metaboliten).
Im Jahr 2023 analysierte der Kanton Bern 157 Wasserproben aus unterschiedlichen Quellen wie Schul- und Verwaltungsgebäuden oder Dorfbrunnen. Die Ergebnisse zeigen, dass in vielen Regionen das Trinkwasser innerhalb der zulässigen Werte liegt, insbesondere im Berner Jura und im Oberland, heisst es in einem Bericht der Berner Zeitung.
Überschreitungen in landwirtschaftlich geprägten Regionen
In 27 Proben wurden jedoch die seit März 2024 geltenden Höchstwerte von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten – insbesondere im Seeland, Oberaargau und Gürbetal. Besonders hohe Belastungen wurden in Gemeinden wie Auswil, Wangen an der Aare, Rüti bei Büren und Oberwil bei Büren festgestellt. Der höchste gemessene Wert stammt aus Rüti bei Büren, wo der Metabolit R471811 mit einer Konzentration von 1,25 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen wurde.
Lösungsansätze und Herausforderungen
In Rüti bei Büren wird bereits nach einer Lösung gesucht, erklärt Gemeindepräsident Theodor Bösiger im Bericht. Da die Gemeinde ihr Trinkwasser aus einer Quelle in Oberwil bei Büren bezieht und keine weiteren Fassungen zur Verfügung stehen, ist eine Verdünnung nicht möglich. Auch eine technische Aufbereitung durch Umkehrosmose wird kritisch betrachtet, da dabei nicht nur Schadstoffe, sondern auch Mineralien entfernt werden.
In Wangen an der Aare sollen die Messergebnisse in die laufende Planung zur Wasserversorgung einfliessen. Laut Gemeindepräsident Christoph Kiefer sei die Sicherstellung einer einwandfreien Trinkwasserversorgung ein zentrales Anliegen.
Langfristige Entwicklung und Rückgang der Belastung
Chlorothalonil wurde seit den 1970er-Jahren in der Landwirtschaft, aber auch auf Golfplätzen eingesetzt. Die jährlichen Verkaufsmengen lagen zwischen 32 und 66 Tonnen. Seit 2020 ist das Mittel in der Schweiz verboten, da es als potenziell krebserregend gilt. Die vollständige Reduzierung der Belastung im Grundwasser wird jedoch Zeit in Anspruch nehmen, da einige Abbauprodukte langlebig sind.
Stefan Mürner vom Amt für Wasser und Abfall erklärt im Bericht der Berner Zeitung, dass grosse Wasserversorger tendenziell weniger Probleme mit Chlorothalonil haben, da sie flexibler reagieren können. Zudem seien seit dem Verbot 2020 rückläufige Werte bei bestimmten Wasserfassungen zu beobachten. Dennoch sind Lösungen wie Netzzusammenschlüsse oder die Erschliessung neuer Trinkwasserquellen langfristige Prozesse.
Perspektiven für betroffene Gemeinden
Die betroffenen Wasserversorger müssen dem Kanton Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität vorlegen. In einigen Fällen wird die Umsetzung voraussichtlich länger als zwei Jahre dauern. Solange es keine Alternativen gibt, darf das belastete Wasser weiterhin genutzt werden.
Eine mögliche Lösung für Rüti bei Büren könnte eine neue Leitung sein, die Wasser aus den Quellen des Jura-Gebirges in Grenchen nutzt. Allerdings gestaltet sich die Abstimmung zwischen den betroffenen Gemeinden und den Kantonen Bern und Solothurn als langwieriger Prozess. In der Zwischenzeit investiert Rüti in die Sanierung des bestehenden Leitungssystems, um für eine mögliche neue Anbindung vorbereitet zu sein.
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