Symbolbild (Bild, neo1 Canva)
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Tabuthema Fehlgeburt
Ein Kind verlieren, noch bevor es geboren wurde. «Ich wusste, dass es Fehlgeburten gibt. Aber ich wusste nicht, was es wirklich bedeutet», erzählt eine Betroffene. Dass Fehlgeburten ein Tabuthema sind und kaum darüber gesprochen wird, hat Folgen.
10% bis 20% aller Schwangerschaften enden nicht wie erhofft im Familienglück, sondern in einer Fehlgeburt. «Ganz genau ist es nicht untersucht, es gibt keine systematische Untersuchung. Aber man geht davon aus, dass jede 10. bis jede 5. Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet», so Helen Walker. Sie ist Psychologin und arbeitet als Projektverantwortliche und Beraterin bei der Fachstelle Kindsverlust Schweiz.
Fehlgeburten sind ein Tabuthema
Obschon Fehlgeburten nicht selten sind, wird wenig darüber gesprochen. «Fehlgeburten sind ein Tabuthema», so Helen Walker. Das hat Folgen. Frauen, die eine Fehlgeburt erleben, fühlen sich oft alleine und unverstanden damit. «Oftmals wird ihnen die Trauer abgesprochen. Aus Sicht der Gesellschaft sollte es nach einer Fehlgeburt einfach so weitergehen wie vorher. Aber eigentlich brauchen betroffene Frauen oftmals Zeit, das Geschehene zu verarbeiten», sagt Helen Walker. Desirée aus Eriz hatte eine Fehlgeburt und hat stark gespürt, dass das ein Tabuthema ist: «Die Leute haben beim Einkaufen einen Bogen um mich gemacht. Es wurde einfach nicht darüber gesprochen. Dabei hat mir das am meisten geholfen. Zu sagen, dass ich mein Kind geboren habe und Mami geworden bin. Ich habe mein Kind zwar nicht an der Hand aber ich habe es im Himmel und im Herz.»
Fehlgeburt kann grosse Trauer auslösen
Viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleben, fühlen danach eine grosse Leere. «Man hat keine Aufgabe. Man ist Mutter geworden, aber man muss sich nicht kümmern, um nichts», erzählt Sandra aus Rubigen. Desirée aus Eriz stimmt zu: «Du bist wie im Film. Du hast keinen Boden mehr unter den Füssen. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man das nicht erlebt.» Helen Walker, Psychologin und Beraterin bei der Fachstelle Kindsverlust Schweiz ergänzt: «Jede Frau, die schwanger ist, beginnt sich ein Leben mit dem Kind vorzustellen. Wie es sein wird, wie das Zimmer aussehen könnte und so weiter. Sich von dem Kind und auch von dieser Vorstellung zu verabschieden, kann grosse Trauer auslösen.» Sie ergänzt aber, dass die Gefühle nach einer Fehlgeburt sehr individuell seien. «Es kann auch sein, dass eine Frau das gut mit sich ausmachen kann und es keine belastende Erfahrung ist. Auch das ist normal und okay.»
Fehlende Informationen, fehlende Begleitung
Das in unserer Gesellschaft nicht oft über Fehlgeburten gesprochen wird, hat auch zur Folge, dass Betroffene oft zu wenig gut informiert sind. «Bei einer frühen Fehlgeburt, bis zur 12. Woche, hat man als Frau verschiedene Möglichkeiten, wie es jetzt weitergeht. Entweder wird das verstorbene Kind mit einem Operativen Eingriff entfernt, es gibt Tabletten, die quasi eine Geburt einleiten, oder man kann warten, bis der Körper von selber reagiert», so Helen Walker. Über die Option, dass man auch erstmal abwarten könne, werden Frauen oftmals aber nicht informiert. So ging es auch Conni aus dem Gürbetal: «Es war keine Option, dass ich nach Hause gehe und das Ganze mal mit meiner Familie, mit meinem Partner bespreche.» Conni hat mehrere Fehlgeburten erlebt. Im Nachhinein sagt sie, sie hätte eigentlich schon nach der ersten Begleitung gebraucht. Da ihre frühe Fehlgeburt aber als «ganz normal» bezeichnet wurde, habe sie sich lange selber nicht eingestanden, dass sie Hilfe gebraucht hätte, um das Ganze zu verarbeiten. Auch Helen Walker von der Fachstelle Kindsverlust Schweiz ergänzt hier: «Viele Frauen fühlen sich bei unseren Beratungen zum ersten Mal richtig verstanden nach einer Fehlgeburt.» Vom Umfeld werde oft nicht anerkannt, dass eine Fehlgeburt Trauer, Überforderung oder eine grosse Leere auslösen kann.
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