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Sexuelle Bildung: über Verantwortung, neue Fragen und den Einfluss des Internets

Die erste Beziehung, die erste Menstruation, der erste Kontakt mit Pornografie oder auch das erste Hinterfragen der eigenen Sexualität – all das kann in der Pubertät beschäftigen. Wir hören diese Woche, welche Fragen Jugendliche haben und wie wichtig die richtige Unterstützung durch Erwachsene ihre gesunde Entwicklung ist.

Aufklärung, sexuelle Bildung, Sexualpädagogik. Es gibt viele Begriffe dafür, wie jungen Menschen Wissen über Sexualität, Beziehungen und den eigenen Körper mitgegeben wird. «Der Begriff Aufklärung wird eher im schulischen Kontext verwendet», erklärt Patrick Kollöffel, Fachmitarbeiter Sexualpädagogik bei der Berner Gesundheit. Die Verantwortung, dass Jugendliche über körperliche Veränderungen, Sexualität und Beziehungen Bescheid wissen, liege aber nicht nur bei den Schulen. «Jugendliche brauchen verschiedene Bezugspersonen. Mal ist es angenehmer, wenn sie mit einer Person sprechen können, zu der sie grosses Vertrauen haben. Mal ist es angenehmer, wenn die Beziehung anonymer ist, wie bei uns auf der Fachstelle.» Die Verantwortung sei ein Zusammenspiel von Eltern, Schule und externen Fachpersonen.

Diese Fragen beschäftigen heute

Vieles, was die Jugendlichen beschäftigt, sei seit Jahren gleich, erzählt Patrick Kollöffel. «Der Körper verändert sich in dem Alter, da wollen alle wissen ob sie gut dabei sind und was normal ist. Einfach weil die Jugendlichen selbst betroffen sind.» Dem Fachmitarbeiter Sexualpädagogik bei der Berner Gesundheit begegnen aber auch Fragen, die noch vor ein paar Jahrzehnten nicht thematisiert wurden: «Junge Menschen wissen heute häufig schon, dass es zum Beispiel verschiedene sexuelle Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten gibt. Das beschäftigt sie. Sie wollen wissen, wie man sich fühlen kann oder auch wie zwei Frauen Sex haben können. Diversität interessiert», führt Patrick Kollöffel aus. Auch die Tatsache, dass heute nicht mehr festgeschrieben ist, dass Mann und Frau zusammen sind, heiraten und eine Familie gründen, wirft Fragen auf. «Alle können wählen, mit wem sie zusammen sein wollen und wie die Beziehung genau aussehen soll. Durch diese Wahlfreiheit müssen junge Menschen aber noch mehr herausfinden: Wer sind sie und was ist ihnen wichtig?» Das könne erst einmal anstrengender sein. «Am Schluss sind sie aber glücklicher, wenn sie den Weg gehen können, der zu ihnen passt.»

Einfluss des Internets

Während vor einigen Jahren noch Dr. Sommer im Bravo-Heft weiterhalf, steht Jugendlichen heute das gesamte Internet zur Verfügung, um Antworten auf ihre Fragen zu finden. «Das Internet kann eine grosse Chance sein. Man muss den Jugendlichen aber zeigen, welchen Quellen und Inhalte sie vertrauen können. Es gibt auch vieles, das nicht stimmt und das kann dann wiederum verunsichern», sagt Patrick Kollöffel, Fachmitarbeiter Sexualpädagogik der Berner Gesundheit. Das Internet habe aber noch weitere Auswirkungen auf Jugendliche. Pornografische Inhalte sind heute um einiges leichter zu finden als noch vor 30 Jahren. «Manchmal stossen Jugendliche auch auf solche Inhalte, obwohl sie das gar nicht wollten. Zum Beispiel auf Seiten wo sie Musik oder Filme herunterladen. Da ist es wichtig, dass sie erwachsene Ansprechpersonen haben, mit denen sie darüber reden und reflektieren können.» Gerade das Thema Pornografie komme aber häufig zu kurz. «Lehrpersonen finden, es sei kein Thema für die Schule und den Eltern ist es oft peinlich», so Patrick Kollöffel. So sei es oft eine Fachstelle wie die Berner Gesundheit, die Fragen zu Pornografie anonym gestellt bekommt und dann beantwortet.

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