Bild: Spitex Verband Schweiz / Alain Meier
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Lockerungen auch im Gesundheitsbereich des Kantons Bern
Zusammen mit den weiteren Lockerungsschritten ab dem 11. Mai geht auch das Gesundheitswesen im Kanton Bern in eine neue Phase. Das Kontaktmanagement wurde wieder aufgenommen und es sollen möglichst alle Covid19-Fälle durch Tests entdeckt werden. Besuche in Alters- und Pflegeheimen sind unter Einhaltung der Schutz- und Hygienevorgaben in beschränktem Masse wieder erlaubt. Mit einer Kampagne weisen der Kanton und seine Gesundheitsinstitutionen darauf hin, dass die Arzt- und Therapiepraxen sowie die Spitäler wieder im geregelten Betrieb arbeiten.
Der Kanton Bern erlaubt ab kommender Woche unter bestimmten Bedingungen wieder Besuche in Alters- und Pflegeheimen. Für breiter als bisher angelegte Corona-Test zeigt sich der Kanton gerüstet.
Der Bund hat die Kriterien für Corona-Tests erweitert und empfiehlt nun, dass sich alle Personen mit Symptomen, auch mit leichten, testen lassen. Als Symptome gelten eine akute Atemwegserkrankungen mit und ohne Fieber, Muskelschmerzen oder der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns.
Testen lassen kann man sich in allen Spitälern des Kantons, in vielen ärztlichen Gesundheitszentren und Praxen sowie im Drive-In-Testzentrum auf dem Berner BEA-Gelände.
Das Drive-In sei auf eine hohe Anzahl an Tests ausgelegt, betonte Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) an einem Point de Presse vom Freitag.
Appell an Krankenkassen und Bund
Um das Virus möglichst rasch zu erkennen, nimmt Schnegg auch die Firmen in die Pflicht. Es sei sehr wichtig, dass sie den Gesundheitszustand ihres Personals genau beobachten würden. Personen mit Symptomen sollten sich rasch testen lassen und in Isolation nach Hause gehen. Je nach Testresultat würden dann die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Massnahmen getroffen.
Schnegg richtete sich mit einem dringlichen Appell an die Krankenkassen und den Bund: zur Finanzierung der Corona-Tests brauche es eine sofortige und einfach Lösung. «Man soll sich nicht fragen müssen, wer zahlt das?«, sagte Schnegg.
Das heutige System sei inakzeptabel und müsse so rasch wie möglich überarbeitet werden, wenn man Tests auf breiter Ebene durchführen wolle. «Ein Test kostet 98 Franken. Muss man da wirklich noch lange diskutieren?«, wandte sich Schnegg an den Bund und die Kassen.
Zehn Fälle mit je zehn Kontakten
Mit dem Abflachen der Corona-Pandemie kehrte der Kanton Bern Ende April auch zurück zum Contact Tracing, also zum Nachverfolgen von Ansteckungsketten. Dazu stehen derzeit 12 Personen im Einsatz, ab kommender Woche sind es doppelt so viele, wie Kantonsärztin Linda Nartey bekannt gab.
Gemäss Kantonsärztin stand eine positiv getestete Person durchschnittlich mit einem engen Kreis von fünf bis zehn Personen in direktem Bezug, bei welchen eine Quarantäne angeordnet werden muss. Pro Person ist im Kontaktmanagement laut Nartey mit einem Zeitaufwand von 20 bis 40 Stunden zu rechnen. Die Vorgaben des Datenschutzes würden beim Kontaktmanagement eingehalten sagte Nartey.
Besser als Übertragungsketten zu verfolgen, sei es, sie zu vermeiden. «Wir freuen uns alle auf die Lockerungen, aber wir wollen nicht zurück in den Lockdown», mahnte die Kantonsärztin weiterhin zur Vorsicht.
Endlich wieder Besuche in Heimen
Eine besonders erfreuliche Lockerung konnte Astrid Wüthrich, Leiterin des bernischen Alters- und Behindertenamtes bekanntgeben: Besuche in Alters-, Pflege- und Behindertenheimen sind ab nächster Woche unter gewissen Voraussetzungen wieder möglich.
Wegen der Corona-Pandemie waren Besuche wochenlang untersagt. «Wir waren uns bewusst, dass das schwierig ist für Bewohner und Angehörige. Sie haben gelitten.«, sagte Wüthrich. Umso erfreulicher sei nun die Lockerung auf den kommenden Muttertag hin.
Heimleiterinnen und Heimleiter müssen jedoch weiterhin dafür sorgen, dass die entsprechenden Schutzbestimmungen eingehalten werden Der Schutz der Heimbewohnerinnen und -bewohner sei nach wie vor prioritär.
Die entsprechenden Möglichkeiten sind von Institution zu Institution unterschiedlich. Ein Blick in die Institutionen zeige, dass dort die Lage mit viel Kreativität, aber auch mit der nötigen Sorgfalt gemeistert werden, führte Wüthrich aus.
Bei Wochenendaufenthalten von Senioren bei Angehörigen riet Wüthrich noch zur Zurückhaltung. Bei Kindern und Jugendlichen in Heimen sei dies anders, denn ab Montag würden auch die Sonderschulen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Bei entsprechenden Vorsichtsmassnahmen könnten die Kinder also wieder nach Hause auf Besuch.
Kanton rechnet mit 270 Millionen Ausfallzahlungen für Spitäler
Der Kanton rechnet mit ungefähr 270 Millionen Franken, die er den Spitälern für Einnahmeausfälle aufgrund des Coronavirus entrichten muss. Die Zahl basiert auf einer Simulation.
Der definitive Betrag sei allerdings noch schwierig zu schätzen, sagte der bernische Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) am Freitag am Rande eines Point de Presse. Die Simulation basiere unter anderem auf dem Prozentsatz der Spitalbelegung während der Akutphase der Pandemie im Kanton Bern. Noch sei aber beispielsweise offen, wie viele Behandlungen im laufenden Jahr noch nachgeholt würden.
Die erwartete Pandemiewelle sei im März und April nicht so stark ausgefallen, wie man hätte erwarten können, räumte Schnegg ein. Dies sei dem disziplinierten Verhalten der Bevölkerung und Institutionen geschuldet.
Jonas Marschall, Chefarzt der Universitätsklinik für Infektiologie und Leiter Spitalhygiene am Berner Inselspital, warnte aber vor zu viel Sorglosigkeit: Wenn die Disziplin zur Einhaltung von Hygiene- und Distanzregeln nachlasse, könnte es schon im Sommer zu einer zweiten Covid-19-Welle kommen.
Die Spitäler im Kanton Bern wären auch für diesen Fall gerüstet, wie Marschall ausführte. Für potenzielle Corona-Spitalpatienten halten die Spitäler bis auf Weiteres rund 30 Prozent der Plätze mit Beatmungsmaschinen frei, wie Schnegg ausführte.
Leere Spitäler und Arztpraxen sollen sich wieder füllen
In Spitälern und Arztpraxen herrscht derzeit Flaute. Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus haben viele Patienten ihre Termine abgesagt oder verschoben. Mit einer Kampagne will der Kanton das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der Spitäler und Praxen stärken.
Im Berner Inselspital etwa seien die derzeit noch 14 Covid-Patienten auf drei Stationen konzentriert, wie Jonas Marschall, Chef Spitalhygiene am Freitag erklärte. Rund 1000 Betten seien im Moment noch nicht belegt.
«Unser Behandlungsangebot steht, wir können sehr viel mehr Patienten sehen.«, sagte Marschall. Er ermunterte auch Patientinnen und Patienten, die Angst vor einem Spital- oder Arztbesuch haben: «Wir sind auch für solche Fragen da.»
Die mantraartig vom Bundesrat wiederholte Formel «bleibt zu Hause» habe bei vielen Patienten zu Verunsicherung und auch übersteigerter Angst geführt, sich in Behandlung zu begeben, schilderte Eshter Hilfiker, Radiologin und Präsidentin der Ärztegesellschaft des Kantons Bern.
Dieses Zögern berge bei Menschen, die ärztliche oder pflegerische Betreuung in Anspruch nehmen sollten, die Gefahr von längerfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Natürlich sei sie froh, «dass uns dank der bundesrätlichen Massnahmen Bilder wie in Italien erspart bleiben», räumte Hilfiker ein. Doch aufgrund des Behandlungsverzichts seien viele Patienten unterversorgt geblieben. Die negativen Folgen dieses Verhaltens seien erst in den kommenden Wochen abschätzbar.
Mit einer Plakat- und der Videoclip-Kampagne auf den sozialen Medien will der Kanton Bern die Leute ermuntern, ihre Arzt- und Spitaltermine wieder wahrzunehmen. (sda)
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