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| neo1 Porträt

Hermann Wiedmer aus Thun konnte mit Schuhen Lebensqualität schenken

30 Jahre lang hat Hermann Wiedmer ein Orthopädiegeschäft mit zwei Filialen geführt. Vor drei Jahren gab er dieses an eine langjährige Mitarbeitende weiter. Im Porträt erzählt der 64-Jährige von seinem Weg zum eigenen Geschäft, von seiner Kindheit in Oey-Diemtigen und davon wie er heute als Fahrer Kinder mit Beeinträchtigung zur Schule bringt.

Als Sohn eines Schuhmachers wuchs Hermann Wiedmer in Oey-Diemtigen im Berner Oberland auf. Der Laden des Vaters habe ihn aber nicht gross eingenommen: «Ich war manchmal in der Werkstatt. Und meine Schwester und ich konnten uns ab und zu ein Sackgeld dazu verdienen.» Trotz der Erfahrungen im Schusterladen hatte Hermann Wiedmer lange einen anderen Berufswunsch. Er wollte Theologie studieren. «Darum ging ich in der Oberstufe auch freiwillig in den Lateinunterricht. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich bei schönem Wetter doch lieber draussen Fussball spielte als Vokabeln zu lernen», lacht der Thuner.

Der Weg zum Orthopädiegeschäft

So sei es dann doch sein Vater gewesen, der ihm die Lehre zum Schuhmacher vorgeschlagen hatte. «Er hat mir aber auch von der Orthopädie erzählt», erinnert sich Hermann Wiedmer, «er hat mir erzählt, dass ich dabei Menschen helfen könne. Ich hatte schon immer eine soziale Ader, das passte.» Seine Fähigkeiten orthopädische Schuhe und Einlagen herzustellen, erlangte der heute 64-Jährige in Zürich. Dort lebte er für zehn Jahre. Es sei auch nicht sicher gewesen, ob er jemals wieder in die Heimat zurückkehren würde, so Hermann Wiedmer im Interview. «Aber meine Eltern liessen nicht locker, sie fragten mich immer wieder, ob ich das Schuhgeschäft übernehmen wolle.» Dies habe er dann auch getan, aber zu seinen Bedingungen. Er baute das Geschäft in Oey-Diemtigen zu einem Orthopädiegeschäft aus und eröffnete eine zweite Filiale in Thun. «So, dass ich sicher sein konnte, dass etwas geht!»

Kürzer treten

Das Orthopädiegeschäft sei schnell einmal gut gelaufen und Hermann Wiedmer kann heute von vielen schönen Momenten mit seiner Kundschaft berichten. «Es war eine schöne Zeit», sagt der 64-Jährige. Aber auch eine intensive. Er habe oft sechs Tage die Woche gearbeitet, am siebten Tag Buchhaltung gemacht und am Abend noch mit der Familie diskutiert, was man besser machen könnte. «Und wie es so ist, wenn es eigentlich zu viel ist: Der Körper sendet einem Signale. Bei manchen ist es ein Herzinfarkt, bei mir war es eine Darmperforation», erzählt Hermann Wiedmer, «wenn man die nicht rechtzeitig erkennt, kann das tödlich enden. Ich musste bis jetzt sieben Mal operiert werden und bin dankbar, dass ich noch da bin.» Dies habe ihm gezeigt, dass er etwas verändern muss. Der Thuner reduzierte erst die Öffnungszeiten seines Geschäfts, vor drei Jahren übergab er es einer langjährigen Mitarbeiterin. «Als sie Ja gesagt hat, ist mir ein kleines Stockhorn vom Herzen gefallen.»

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