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| Wochengespräch

Eine Sekte, ihre Opfer und eine persönliche Geschichte

Die vierteilige Dokumentarserie "Der Engelmacher" beleuchtet die Geschichte der Sekte Methernitha in Linden und die Missbrauchsfälle rund um ihren Gründer Paul Baumann. Regisseurin Marina Klauser hat dabei eine persönliche Verbindung zur Geschichte.

Vor rund acht Jahren entdeckte die Zürcher Regisseurin Marina Klauser, dass ihre Familie einst Teil von Methernitha war. Ihre Tante gehört zu den Frauen, die von Paul Baumann missbraucht wurden. "Ich bin dann googeln gegangen, habe sein Gesicht gesehen und bin erschrocken", erzählt Klauser. Ihr Vater habe ihr von einem Prozess wegen Missbrauchs an Kindern erzählt. Aus den ersten Recherchen entstand die vierteilige Dokumentarserie "Der Engelmacher", die derzeit im Fernsehen läuft. Darin kommen vor allem betroffene Frauen und Zeitzeuginnen zu Wort. Klauser wollte die Gewalt und den Missbrauch nicht nachstellen. "Ich wusste, dass ich keine Gewalt und keinen Missbrauch darstellen wollte. Aber ich wusste lange nicht, wie ich das machen sollte", sagt sie. Eine zentrale Rolle spielt deshalb ein Käfer. Er steht in der Serie symbolisch für Baumann, der sich selbst "Vatti" nannte. "Ich habe an den Käfer gedacht. Das ist eine gute Möglichkeit, ihn als Figur zu ersetzen, weil ich ihm keine Plattform geben wollte", erklärt Klauser. Gleichzeitig könne der Käfer den Missbrauch symbolisieren: "Ein Käfer auf der Haut ist zwar nichts Schlimmes, aber trotzdem ein unangenehmes Gefühl."

Baumann gründete Methernitha in den 1960er-Jahren in Linden. Im Oktober 1976 wurde er vom Gericht in Thun wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs, vor allem an Kindern, zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Laut Klausers Recherchen kam es auch nach seiner Entlassung 1979 bis zu seinem Tod im Jahr 2011 zu weiteren Missbrauchsfällen. Methernitha besteht bis heute. Für die Dokumentation war Klauser auch dort. Die Verantwortlichen seien freundlich gewesen, hätten aber keinen Einblick in die heutige Struktur gegeben. Besonders aufgefallen sei ihr, dass sie offenbar nur mit Männern sprechen sollte. Später sei sie zufällig einer älteren Frau begegnet, die noch heute dort lebt. "Sie sah genauso aus wie die Mädchen in den 70er-Jahren – nur älter. Die gleiche Frisur und die gleichen Kleider", sagt Klauser. Sie habe sich deshalb gefragt, wie stark sich die Gemeinschaft und ihre Lebensweise tatsächlich verändert hätten.

Die Gemeinde Linden hat auf ihrer Website Stellung zu den Vorwürfen genommen. Sie verurteilt demnach jedes Verhalten, das gegen das Recht verstösst oder Menschen verletzt. Aus der Vergangenheit müsse man lernen. Gleichzeitig sei es wichtig, die damalige Zeit von der heutigen Situation zu unterscheiden. Die Gemeinde respektiere, dass die Vergangenheit für die Betroffenen eine persönliche Bedeutung habe, wolle sich aber auf die Gegenwart konzentrieren.

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