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| Gesellschaft

Coronazeit ist Bauzeit, das merkt auch das Regierungsstatthalteramt

Wer oder was war nicht betroffen von Corona? Die Frage ist rhetorisch und dass diese Pandemie die ganze Gesellschaft beschäftigt und betroffen hat, hat auch das Regierungsstatthalteramt Emmental gemerkt. Auch in Bereichen, wo es die Chefin selbst nicht erwartet hätte.

Claudia Rindlisbacher, Regierungsstatthalterin Emmental, prophezeite noch, dass während der Corona-Pandemie die Bautätigkeit abnehmen würde. "Wer will den schon investieren und bauen in solch unsicheren Zeiten? Nun, ich merkte, dass ich als Wahrsagerin nichts tauge", sagt Rindlisbacher im Gespräch mit neo1. Es wurde gebaut. Und wie. Die Zahlen, die Claudia Rindlisbacher präsentiert sind eindrücklich: "2010 waren es 230 Baugesuche. In diesem Jahr sind wir im Moment bei 296 Baugesuchen. Wenn das so weitergeht sind wir Ende Jahr bei rund 400 Gesuchen. Also fast das Doppelte von vor 10 Jahren."

Das Problem: Stellenprozente haben sie nur rund die Hälfte mehr erhalten. Sprich, im 2010 waren sie bei rund 200 Stellenprozenten, heute sind es 290. "Ich will nicht jammern. Es ist wie es ist. Ich muss mit dem was ich habe, das Beste rausholen. Ich habe sehr gute Leute, die sehr loyal sind und nicht nur das Nötigste leisten. Wenn ich die Überstundenkonti meiner Mitarbeitenden anschaue wird schnell klar, da arbeitet niemand nur von 8 bis 17 Uhr und ist dann weg."

Das ist alles andere als selbstverständlich. Aber auch ein Risiko. Wer so arbeitet, der fehlt dann plötzlich wegen Überbelastung. Das musste die Chefin selbst am eigenen Leib erfahren. Da appelliert Claudia Rindlisbacher einerseits an die Politik: "Dies ist meine sehr persönliche Meinung, aber man kann nicht immer mehr Fachstellen schaffen, mehr Fachberichte verlangen und dann nicht mehr Stellenprozente freigeben. Das geht irgendwann nicht mehr auf."

Andererseits appelliert sie aber auch an die Bevölkerung, die vom Regierungsstatthalteramt etwas verlangen: "Wenn wir eine Vakanz haben oder jemand neu einarbeiten, dann sind wir eine zeitlang weniger effizient. Dies ist schwierig gegen aussen zu erklären. Die Leute sind sich gewöhnt online etwas zu bestellen und am nächsten Tag ist es im Briefkasten. Ich wäre froh, könnten wir bei uns auch nur zwei Knöpfe drücken und das Baugesuch wäre erledigt."

Das bringt selbst die Digitalisierung nicht zu Stande, so Rindlisbacher weiter. Auch wenn sie hilft, dass Sachen einfacher werden, sei es nicht in jedem Fall die Lösung aller Probleme, meint sie mit einem ironischen Unterton. Sie betont aber: "Das Wichtigste ist, das man immer das Positive sieht und einen Weg ins Positive sucht und nicht immer nur das Negative zu betonen. So kommen wir nicht weiter."

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