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Chlorothalonil: jetzt nimmt der Kanton Bern Stellung

Das Ausmass ist grösser als bisher bekannt: Wie die Berner Zeitung gestern publik machte, wurden in viel mehr Gemeinden im Trinkwasser Chlorothalonilwerte über dem Grenzwert gemessen, als das bisher von den Behörden mitgeteilt wurde. Nun hat der Kanton dazu Stellung genommen.

Tatsächlich sei in vielen Gemeinden mehr Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser als erlaubt. Trotzdem seien die Werte so minim, dass kein Gesundheitsrisiko bestehe, das Wasser könne daher bedenkenlos konsumiert werden, sagt der Kantonschemiker Otmar Deflorin. Der Kanton habe die Daten auch nicht absichtlich unter Verschluss gehalten.

Schon seit letztem Jahr ist bekannt, dass es in gewissen, vor allem landwirtschaftlich intensiv genutzen Gebieten zu hohe Rückstände des als krebserregend bekannten Fungizids Chlorothalonil im Trinkwasser hat. Betroffen ist unter anderem auch der Oberaargau. (Audio 1 und Audio 3)

Chlorothalonil beschäftig die Wasserversorger in der Region

Im Burgdorfer Wasser ist der Wirkstoff Chlorothalonil nicht enthalten. Das meldet die Wasserversorgung der Localnet AG. Im Oberaargau ist die Situation schwieriger. Da im Einzugsgebiet auch mehr Landwirtschaft betrieben wird und dementsprechend mehr Chlorothalonil zum Einsatz kommt. 

In letzter Zeit wurden in den Medien verschiedene Berichte über die Verunreinigung von Trinkwasser veröffentlicht. Speziell erwähnt wird immer wieder der Wirkstoff Chlorothalonil, der in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist. Die Wasserversorgung der Localnet AG mit den beiden Grundwasserfassungen im Burgdorfer Schachen ist davon nicht betroffen. Die gemessenen Werte liegen unter den gültigen Grenzwerten, schreibt die Localnet AG in einer Mitteilung. Betroffen von solchen Rückständen sind vor allem Wasserversorgungen, bei welchen die Fassungen in Landwirtschaftlich intensiv genutztem Gebiet liegen, sagt der CEO Urs Gnehm gegenüber neo1. 

Der Gemeindeverband WUL, Wasserversorgung untere Langete in Langenthal ist im Moment nicht zufrieden mit der Situation. Der Oberaargau ist stark betroffen von Chlorothalonil im Wasser, da im Einzugsgebiet mehr Landwirtschaft betrieben wird, kommt auch das Pflanzenschutzmittel vermehrt im Wasser vor. Was dazu führt, dass die Werte über dem Grenzwert liegen. Der WUL wartet auf neue Angaben von den Behörden, aber diese verzögern sich. So sei es auch schwierig konkrete Massnahmen zu definieren, sagt der Geschäftsleiter Oliver Schmidt gegenüber neo1. 

Für Chlorothalonil gilt eine lebenslängliche Tagesdosis von 15 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht als unbedenklich. Um diese Dosis zu erreichen, müsste man also 150 Liter Wasser pro Kilo Körpergewicht trinken, sofern der Grenzwert eingehalten wird. Auch unbelastetes Wasser kann gefährlich sein: Trinkt man innert kurzer Zeit sieben oder mehr Liter Wasser, so kann dies ebenfalls lebensbedrohlich werden, auch wenn das Wasser absolut sauber und unbedenklich ist. 

Beide Wasserversorger betonen dass ihr Wasser ohne Bedenken getrunken werden kann. Das liege nicht zu Letzt an den tiefen Grenzwerten.

Das Pestizid Chlorothalonil wurde in der Schweiz im letzten Dezember verboten. Seit 2018 ist bekannt, dass es bei Ratten und Mäusen Tumore hervorrufen kann. Ob auch seine Abbauprodukte krebserregend sind, ist bis heute nicht erforscht, kann aber nicht zum vornherein komplett ausgeschlossen werden. (Audio 2 und 4)

Weitere Informationen:
Medienmitteilung des Kantons
Messstellen mit zu hohen Chlorothalonil-Werten

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