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Burnout, wenn der Körper stopp sagt
Ein Dienstagmorgen. Rahel, 30 Jahre alt, sitzt vor ihrem Laptop und kann ihn nicht aufklappen. "Alles ist zusammengekracht und ich wusste nicht mehr, wie ich meinen Laptop öffnen kann", sagt sie. Rahel ist ursprünglich aus dem Emmental, hat in der schnellen Werbebranche gearbeitet und befindet sich seit einigen Wochen wegen einem Burnout in einer psychiatrischen Klinik.
Sie ist nicht allein: Laut Studien erlebt jede fünfte Person in der Schweiz im Laufe ihres Lebens eine Form von Burnout und die Tendenz ist steigend. Burnout ist keine Befindlichkeit und kein Zeichen von Schwäche. Medizinisch gesehen handelt es sich um eine ernste Erschöpfungserkrankung, die sich über Monate oder sogar Jahre entwickelt und die ohne Behandlung nicht einfach verschwindet. Florian Weiss, Leitender Arzt bei der Psychiatrie Burgdorf, kennt das Krankheitsbild gut: "Ein Burnout ist ein Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Es ist die Folge von langanhaltendem, unbewältigtem Stress, oft beruflich oder durch private Überlastung."
Ein Burnout entsteht selten durch einen einzigen Auslöser. Meistens ist es ein Zusammenspiel aus beruflichem Druck, privaten Belastungen und dem Gefühl, keine Kontrolle mehr über die eigene Situation zu haben. Mats Kreienbühl aus Heimisbach beschreibt seinen Weg ins Burnout so: "Vieles hat sich angestaut, es war ein schleichender Prozess und am Schluss hat es nicht mehr viel gebraucht, damit es mich komplett verstrichen hat." Besonders tückisch: Von aussen ist oft nichts zu sehen. Betroffene funktionieren, im Job, im Alltag, im sozialen Umfeld, bis sie es plötzlich nicht mehr können. Martin Fankhauser aus Röthenbach erlebte es genau so. "Ich entwickelte Schlafstörungen, meine Angstzustände wurden grösser, bis die Leine ganz durchgerissen ist." Was ihn bis heute beschäftigt: "Als ich mich krankschreiben liess, waren die meisten erstaunt. ‹Man sieht es dir ja nicht an›, sagten sie mir."
Den Schritt zur professionellen Hilfe zu machen, ist für viele Betroffene die grösste Hürde. Scham, Selbstanspruch und die Angst vor dem Urteil anderer halten viele davon ab, oft viel zu lange. Rahel spricht offen darüber: "Mit 30 muss man doch sein Leben im Griff haben und nicht in einer Psychiatrie sein, habe ich mir gedacht." Was ihr geholfen hat: die professionelle Begleitung vor Ort und zu sehen, dass andere Betroffene «genau so sind wie ich. Überbelastet, vollgepackt mit Stress."
Hilfsangebote im Emmental:
Wer Hilfe sucht, muss das nicht alleine tun. Im Emmental gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Betroffene, aber auch für Angehörige. Eine übersichtliche Liste bietet das Netzwerk psychische Gesundheit Emmental. Für akute Situationen ist das Spital Emmental rund um die Uhr erreichbar: 034 421 27 27
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