Most Trusted Websites for Replica Watches 2023

Werbung

| Gesellschaft

Archäologische Ausgrabung in Willisau zum Brand von 1704

Das heutige Haus Schlossweg 4 – das einstige St.-Niklaus-Pfrundhaus – ist 1715 errichtet worden, einige Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand von 1704. Nun wird es restauriert und erhält im Erdgeschoss neue Bodenkonstruktionen. Die Kantonsarchäologie übernimmt den entsprechenden Aushub, denn unmittelbar unter den bisherigen Böden beginnt der Einblick in ein Stück Willisauer Geschichte. Zweck der archäologischen Grabung ist es, die historischen Spuren, welche durch den Umbau verschwinden werden, zu dokumentieren.

Die zu Tage tretenden Reste werden also bis in die für das Bauprojekt erforderliche Tiefe (ca. 40 cm) abgetragen und laufend aufgezeichnet. Archäologisch gesehen "kratzen wir jedoch nur an der Oberfläche", so Projektleiter Fabian Küng. Der grösste Teil der archäologischen Schichten bleibt unangetastet und somit unbekannt im Boden erhalten. Sie werden mit den neuen Bodenkonstruktionen überdeckt. "Eventuell lässt der Bauherr ein kleines Guckloch offen. Das ist aber noch nicht klar", so Küng gegenüber neo1. Die Grabung dauert noch bis Ende Oktober.

Auch wenn man nicht darin geübt ist, archäologische Spuren zu lesen, erkennt man auf den ersten Blick, dass die am Schlossweg 4 im Untergrund schlummernden Reste ein reiches historisches Archiv zur Willisauer Stadtgeschichte bilden, und dies in einer Ecke der Stadt, welche archäologisch bisher noch unbekanntes Terrain darstellt. Augenfällig sind v.a. die Brandspuren, die von mehreren Brandereignissen stammen. Die Stadt Willisau ist in ihrer Geschichte vier Mal durch Brände zerstört worden (1375, 1386, 1471 und 1704). Am Schlossweg 4 konnten bisher die Brände von 1386 und 1704 beobachtet werden. Es ist ein Glück für die Archäologen, dass an dieser Stelle nach der Katastrophe nicht aufgeräumt, sondern die Brandstelle zunächst einfach ausgeebnet und später wieder überbaut worden ist:

  • Die ältesten, nur punktuell angeschnittenen Spuren stammen von einem Steinbruch aus der Zeit nach 1200 (1. Hälfte des 13. Jahrhunderts). Er diente zur Gewinnung von Kalktuff und steht möglicherweise im Zusammenhang mit dem kurz nach 1200 realisierten Neubau der Willisauer Pfarrkirche (vgl. den noch heute stehenden romanischen Turm). Wir befinden uns damit noch deutlich vor der Stadtgründung von Willisau um 1302/1303.
  • Später wurde das Gelände überbaut. Punktuell konnten Reste eines Gebäudes mit Herdstelle erfasst werden, welches im 14. Jahrhundert, wohl beim Brandereignis 1386, abgebrannt ist (Grundriss des Hauses unbekannt). Hierzu gehört zeitlich auch das Tonfigürchen einer Königin (Kinderspielzeug).
  • Wohl ebenfalls noch ins Spätmittelalter gehört eine sog. Teuchelleitung, welche Wasser vom Schlossrain zu den Brunnen der Stadt geführt hat (Druckleitung aus ausgebohrten Baumstämmen).
  • Da die Kantonsarchäologie nur die obersten 40 cm flächig untersucht, folgt bei den Resultaten eine zeitliche Lücke.
  • Die flächig erfassten Spuren setzen mit jenen Gebäuden ein, die beim Brand von 1704 zerstört worden sind. Wie die Fundstücke aus dem Brandschutt zeigen (Ofenkacheln, Geschirrkeramik etc.), stammen die Überreste aus dem 16. und 17. Jahrhundert (Bauten nach dem Stadtbrand von 1471). - Die freigelegten Mauern der Gebäude belegen, dass die Parzellen am Schlossweg im Spätmittelalter noch anders ausgerichtet waren als heute. Die Häuser standen weiter in die heutige Strasse hin vor. - Im östlichen Hausteil zu sehen: Reste einer 1704 zerstörten, beheizten Stube im Erdgeschoss (verbrannter Bretterboden, Sockel eines Kachelofens); im benachbarten Raum sind ein Lehmboden und die Einfeuerung zum Kachelofen vorhanden. - In den Schriftquellen aus der Zeit vor 1704 werden in der Häuserzeile "am Berg" u.a. das alte Stadtspital und das Schulhaus erwähnt, wir wissen jedoch nicht, ob wir eine dieser Bauten vor uns haben. Die Stube im Erdgeschoss würde grundsätzlich zu beidem passen.
  • Jüngstes Element bildet das noch heute stehende Haus, das St.-Niklaus-Pfrundhaus, welches zusammen mit seinem Nachbarn (Schlossweg 3) einige Jahre nach dem Stadtbrand um 1715 als Doppelhaus über den Brandruinen neu erbaut worden ist. (pd)

Werbung

neo1 - Mein Radio
00:00
-00:00