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| Wochengespräch

Der Ukraine-Krieg und unsere Psyche - Gespräch mit Marion Reichert

In der Ukraine herrscht Krieg. Dies betrifft auch uns. Täglich kommen Geflüchtete aus der Ukraine in der Schweiz an. Die Nachrichten und Bilder, die uns aus der Ukraine erreichen, schlagen aufs Gemüt. Marion Reichert, Chefärztin der Psychiatrie Biel, erzählt im Wochengespräch, wie sich der Krieg auf unsere Psyche auswirkt und was wir dagegen machen können.

Täglich erreichen uns Nachrichten und unschöne Bilder aus der Ukraine. Der Krieg betrifft uns direkt. Einerseits beschäftigen sich Politik und Gesellschaft mit der Frage, wie die Schweiz die Geflüchteten aufnehmen kann. Andererseits schlägt uns der Krieg auf die Psyche. "Solche Situationen, bei denen wir nicht gross Einfluss nehmen können, machen uns Angst", erklärt Marion Reichert. Dies werde uns irgendwann zu viel und könne zu Depressionen führen. 

Wenn es soweit ist, und jemand mit den Eindrücken nicht mehr klar kommt, sei es wichtig darüber zu reden. "Das Erste ist, uns auszutauschen", so Reichert. Manchmal helfe es, über schwierige Situationen mit anderen Menschen zu sprechen. Wenn dies nicht helfe, solle man relativ schnell professionelle Hilfe holen. Diese Hilfe sei für jede Person individuell. "Zunächst einmal führen wir ein Gespräch und schauen, was das Problem überhaupt ist. Danach versuchen wir herauszufinden, was der Auslöser ist", erzählt Marion Reichert. Grundsätzlich begännen sie immer bei den existenziellen Fragen und klären die weiteren Bedürfnisse. 

Mit ein Grund für psychische Probleme können die Nachrichten und Bilder sein, sagt die Chefärztin der Psychiatrie Biel. Grundsätzlich sei es zwar schön, informiert zu sein. Die Flut an Informationen, die uns erreicht, sei aber ein Problem, so Marion Reichert. "Einerseits wissen wir nicht, wie verlässlich die Informationen sind. Weiter finde ich bedenklich, dass sich Bilder, die wir immer wieder sehen, einbrennen." Solche Eindrücke werden wir nicht mehr los.

Bislang habe der Krieg nicht zu mehr Patienten bei der Psychiatrie in Biel geführt. Die Corona-Pandemie habe da grösseren Einfluss gehabt und dazu geführt, dass sich mehr Menschen bei der Psychiatrie Hilfe holten. Beim Ukraine-Krieg sei dies anders, sagt Marion Reichert. "Es ist eher dazu gekommen, dass sich die Patienten, die schon bei uns waren, intensiv damit beschäftigen."

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