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| Wochenthema

Der Menstruationszyklus

Mit zwischen 10 und 14 Jahren kommen Mädchen in die Pubertät. Ab da verändert sich alles. Sie werden zu jungen Frauen und bekommen zum ersten Mal ihre Periode. Ab da bluten Frauen durchschnittlich 400 Mal in etwa 35 Jahren. Doch was passiert da genau? Wie funktioniert der Menstruationszyklus und wieso wird noch immer so wenig darüber gesprochen?

Der Menstruationszyklus als Tabu:

Seit den ersten Menschen funktioniert der Menstruationszyklus gleich. Was sich verändert hat ist unser Wissen. Und doch gibt es noch grosse Unterschiede in den verschiedenen Ländern. Als Beispiel in Teilen von Afrika wird die Menstruation noch immer als «unrein» angesehen. Frauen müssen während der Blutung das Dorf verlassen und in einer Hütte kauernd die Menstruationswoche verbringen. Erst danach dürfen sie wieder zu ihrer Familie.

In der Schweiz sind wir zum Glück viel Aufgeklärter. Aber auch hier wurde zu Zeiten von unseren Müttern und Grossmüttern noch nicht wirklich über den Menstruationszyklus gesprochen. «Ich weiss noch wie meine Mutter mir gesagt hat, wenn du das «Züg» dann auch hast, hat es im Badezimmerschrank Binden», erzählt Sandra Mosimann und lacht.

Aufklärung:

Sie ist selbstständige Kursleiterin im Verein MFM-Projekt. «Die Idee stammt aus Deutschland. Jungen Mädchen wird mit einer Art Theater der weibliche Zyklus erklärt. Dies gibt es auch für Buben. Sie können Fragen stellen in einem anonymeren Rahmen als bei den Eltern. Und durch das Theaterspiel lernen sie die medizinischen Fakten besser kennen und können sich in etwa den Ablauf merken,» erzählt Sandra aus Zollbrück. Es gehe ihr dabei aber nicht darum, dass die Mädchen den Ablauf des Zyklus wie auf dem Papier auswendig können. «Solange sie mit einem guten Gefühl aus dem Kurs gehen und wissen was sich verändert, bin ich zufrieden».

Zyklisch leben:

Der Menstruationszyklus beginnt mit dem Einsetzen der Blutung, geht aber über ca. 28 Tage, also fast den ganzen Monat. In dieser Zeit arbeiten die Hormone in unserem Körper hart, damit alles für eine befruchtete Eizelle bereit ist. Auch wenn diese dann nicht kommt. Das kostet Kraft und deshalb ist es klar, dass sich Frauen verändern und nicht immer gleich gut fühlen. Josianne Hosner aus Lotzwil ist Zyklusmentorin und Buchautorin. Sie lebt zyklisch. «Das heisst, dass ich mir meine Termine auf die Zeit um den Eisprung lege, wo ich bessere Energiereserven habe. Um die Menstruation herum ziehe ich mich lieber zurück», erklärt Josianne. Sie teilt sich den Zyklus in die vier Jahreszeiten auf. «Während der Menstruation ist Winter, dann kommt der Frühling wo die Hormone neu erwachen und uns mehr Energie schenken. Im Sommer haben wir Lust viel zu unternehmen und uns zu treffen. Der Eisprung bringt Lust auf das Leben. Dann im Herbst büssen wir dafür, wenn wir uns bereits im Frühling und Sommer ausgepowert haben. In dieser Phase setzt das Prämenstruelle Syndrom ein (PMS)», so Josianne Hosner.

Zyklisch leben vs. Gesellschaft:

In unserer Gesellschaft und besonders auch in der Wirtschaft sind die Meisten Abläufe linear. Immer vorwärts, immer regelmässig, am liebsten ohne Pause. Das passt nicht mit dem weiblichen Zyklus überein sagt Josianne Hosner. «Wir sind uns nicht mehr gewohnt, Pausen zu machen. Die einzige gerechtfertigte Pause geben wir uns, wenn wir krank sind», so Josianne. Besonders im Schulsystem wird bereits jungen Mädchen vorgelebt, dass die Menstruation kein Grund ist, eine Turnstunde zu verpassen oder eine Prüfung nicht zu schreiben. «Ich bin mir bewusst, dass es nicht möglich ist, alles nach dem Menstruationszyklus zu richten. Aber etwas mehr Toleranz und Aufgeklärtheit finde ich wichtig.»

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