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| Wochengespräch

Frauen sind die Verliererinnen der Pandemie

Von den 1'500 befragten Arbeitnehmenden, welche im Rahmen des diesjährigen Barometers Gute Arbeit dem Arbeitnehmer-Verband Travail Suisse Red und Antwort standen, gaben vor allem Frauen an, dass sich ihre Arbeitsbedinungen seit der letzten Befragung im Juni 2020, signifikant verschlechterten. Dies ist nicht wenig erstaunlich, sagt Travail Suisse Präsident Adrian Wüthrich im neo1-Wochengespräch.

"Die Frauen sind die Verliererinnen der Pandemie, was die Zufriedenheit am Arbeitsplatz angeht", so Wüthrich. Der Grund ist ein einfacher. Berufe mit tendenziell mehr Frauenanteil, litten heftig unter den Folgen der Einschränkungen auf Grund der Pandemie. Genauer gesagt waren es vor allem die Pflegeberufe und das Gesundheitswesen, welche stark betroffen waren. In der Regel arbeiten dort vor allem weibliche Arbeitnehmende.

Im Gegensatz dazu war von der Baubranche zu hören, dass sie zufrieden sind mit ihrer Arbeit oder sogar zufriedener als vor einem Jahr. "Da das Baugewerbe eher von Männern geprägt ist, zeigte sich da natürlich eine hohe, männliche Zufriedenheit", sagt Adrian Wüthrich.

Allgemein ist aber festzuhalten, dass die Wirtschaft weniger stark gelitten hat als angenommen. Adrian Wüthrich betont: "Die allermeisten Arbeitnehmenden arbeiteten die ganze Pandemie hindurch. Sei es am Arbeitsplatz mit Einschränkungen oder dann von zu Hause aus. Die beteiligten Verbände machten vieles möglich, damit man arbeiten konnte oder mindestens nicht entlassen wurde. Sei es mit Kurzarbeit oder eben dem Home-Office." Dies zeigt sich jetzt im zweiten Herbst der Corona-Pandemie. "Die Wirtschaft litt dank dieser sozialen Einrichtungen deutlich weniger und konnte nun schnell wieder hochfahren."

"Wir waren privat viel stärker eingeschränkt als beruflich", sagt Wüthrich. Er hofft insgeheim, dass dieser Umstand in den Lohnverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern jetzt im Herbst dann berücksichtigt werde.

Nicht nur da erhofft sich Wüthrich ein gutes Ende für die Arbeitnehmenden. "Auch sonst liegen zum Teil noch lange Wege vor uns. Das Instrument Home-Office muss in Zukunft im Arbeitsgesetz noch besser geregelt werden. Das ist ein Learning aus dieser schwierigen Zeit. Dazu gilt es, die familienergänzende Kinderbetreuung zu forcieren um endlich auch in der Gleichstellung von Mann und Frau einen grossen Schritt vorwärts zu kommen." Da zähle für ihn auch das Instrument der Individualbesteuerung dazu. "Wenn die Frauen individuell besteuert werden in einer Ehe, dann gewinnt ihr Einkommen auch an Wert", ist Wüthrich überzeugt.

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