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Nicht zahmer, aber bald wieder freier: Die Emme im Räbloch

Der Kran und das Gerüst im Räbloch.

Bis Ende Juli bleibt das Räbloch für die Öffentlichkeit gesperrt.

Beeindruckend hohe Felswände in der Räblochschlucht.

Überreste von 2014: Das Schwemmholz wird in Mulden abtransportiert.

Mit einem Frühwarnsystem werden die Arbeiter/innen in der Räblochschlucht bei schlechtem Wetter gewarnt.

In diesem Frühling konnte es mit der Räumung der Räblochschlucht an der Gemeindegrenze zwischen Schangnau und Eggiwil endlich losgehen. Die Räumungsarbeiten der beeindruckenden Emme-Schlucht sind weltweit einzigartig und kaum mit einem anderen Projekt zu vergleichen. Bis jetzt verläuft die Räumung der Ablagerungen vom Jahrhunderthochwasser 2014 nach Plan. Wenn das Wetter mitspielt, sollte die Schlucht Ende Juli wieder frei zugänglich gemacht werden können. Momentan ist diese für die Öffentlichkeit gesperrt.

Seit dem Jahrhunderthochwasser 2014, als die Emme über die Ufer trat und die Region Schangnau/Eggiwil verwüstete, verstopfen Holz, Schlamm und sogar weggeschwemmte Schmierstoffe die Räblochschlucht. Diese ist ein Naturdenkmal von nationaler Bedeutung. Dieser Fakt, sowie die geologischen Gegebenheiten der Schlucht (60m lang, 50 - 60m tief, 1.5-3m breit), machen die sogenannte Verklausung einerseits schwer zugänglich und machten andererseits bereits in der Planungsphase besonders deutlich, dass der Eingriff so schonend wie möglich passieren musste. 

Risikoabwägung führt zur Räumung

Die Angst vor plötzlicher Überflutung sei von den Anwohnerinnen und Anwohner des Gebiets unterhalb des Räblochs ab und zu zu den Verantwortlichen getragen worden, so der Gesamtprojektleiter Severin Schwab. "Diese Angst alleine hätte nicht für die Umsetzung des 1.2 Millionen Franken teuren Projekts gereicht. Wir haben aber nach Abschluss der Risikoanalyse - unter anderem unter Berücksichtigung dieses Aspekts - festgestellt, dass es sich sehrwohl lohnen würde, den Betrag ins Räbloch zu investieren."

Folgende Szenarien und Risiken trugen gemäss Geotest AG zum Entscheid bei, das Räbloch zu räumen: 

  • Rückstau eines Emme-Hochwassers und Seebildung mit der Gefahr durch Flutung anliegender Gebiete und Höfe
  • Ein Bruch der Verklausung mit anschliessender Flutwelle und Folgeschäden 
  • Auslaufen der Behälter mit Flüssigkeiten (u.a. Motorenöl) und Verschmutzung der Trinkwasserfassung Aeschau, welche die Stadt Bern versorgt
  • Verschmutzung mehrerer Kilometer Auenlandschaft von nationaler Bedeutung

Getragen werden die Kosten von 1.2 Millionen Franken von den vier am stärksten profitierenden Schwellenkorporationen Schangnau, Eggiwil, Signau und Lauperswil. Der Kanton trägt mit 605'000 CHF gut die Hälfte der Kosten und der Bund steuert 420'000 Franken bei.

Baustart im Frühling 2020

Nach der langwierigen und teils nervenaufreibenden Planungsphase mit vielen Beteiligten war die Freude über den Baustart natürlich riesig. "Da die Grenzen zu Österreich wegen den Schutzmassnahmen zum Corona-Virus geschlossen war, fürchteten wir zuerst, dass der Bau ohne den fehlenden Schienenkran nicht planmässig starten könnte. Plötzlich ging aber alles ganz schnell und als die Räumung am nächsten Montag startete, jubelten wir. Es war ein toller Moment, nach dieser jahrelangen Planung endlich zu sehen, dass das Konzept funktioniert", so Severin Schwab.

Auch Hans Wittwer, Präsident der Bauherrschaft Schwellenkorporation Eggiwil zeigt sich erleichtert. "Diese Geschichte lag mir ziemlich auf dem Magen. Niemand konnte das Risiko - auch wenn es gering eingeschätzt wurde - ausschliessen, dass das Material eines Tages durchbrechen würde. Die Gemeinden Eggiwil, aber auch Signau und Lauperswil hätten grosse Probleme bekommen".

Imposante und gefährliche Schlucht

Über einen 50 Meter hohen Gerüstturm - innerhalb von nur drei bis vier Tagen aufgebaut - erreichen wir die Schlucht. Die 60 Meter hohen Felswände lassen einen beinahe verstummen, so eindrücklich türmen sie sich über den Besuchern des Medienrundgangs vom Samstag, 13. Juni. Ruhig sucht sich die Emme an diesem Morgen ihren Weg durch die Schlucht. Eben auch durch ihre engste, die bloss ungefähr anderthalb Meter breite Stelle, welche seit Jahren verstopft ist. Ruhig fährt Baustellenchef Hansjürg Lauber mit seinem Schienenkran ein ums andere Mal durchs Nadelöhr und holt Zangen voller Schutt und Stämme heraus. Aus vielen Projekten haben er und seine Lauber FST GmbH, zusammen mit einer zweiten Frutiger Firma  Stoller & Lauber den Zuschlag für die Räumung des Räblochs erhalten.

"Trotz guter Planung blieb ein gewisses Risiko, da nicht genau klar war, welche Teile die Schlucht verstopfen. Bis jetzt sieht's aber gut aus", sagt Lauber im Interview mit neo1. Der eingesetzte Schienenkran, welcher aufwändig ins Räbloch eingebaut wurde, biete den Vorteil, dass sich auch das Holz unter der Wasseroberfläche problemlos entfernen lasse, obwohl der erste Teil des Materials bereits abtransportiert worden sei.

Per Luftpost abtransportiert

Zum Abtransport der Schutt-Mulden wurde von den zuständigen Firmen extra eine 800 Meter lange Seilbahn aufgebaut. Eine Schneise, die steil und gerade aus der Schlucht hinaus, auf den Jodershubel führt. Dieser Standort ergab sich bei der Planung der Räumung, da der Standort zum Abtransport der Mulden möglichst gerade über der Schlucht stehen muss. Die Bahn führt durch eine enge Schneise im Wald. Oben angekommen, wird das Material vorsortiert und später durch Lastwagen abtransportiert.

Das Hoffen auf gutes Wetter

Bis jetzt erfreuen sich alle Beteiligten am planmässigen Fortschritt des Projekts. Auch das Auffinden von mehr verschmutztem Material als angenommen, bremste die Räumungsarbeiten nicht aus. Gemäss Bauleiter Patrick Baer wurden mittlerweile rund drei Viertel des Materials entfernt: rund 400 Tonnen. Wenn alles gut läuft, sollte die Schlucht bis in drei Wochen geräumt werden können und der Rückbau bis Ende Juli stattfinden. Doch es wurde bereits mit der labileren Wetterlage dieser Woche deutlich ersichtlich, dass die Räumungsarbeiten nur weiterhin so gut ablaufen können, wenn gutes Wetter wartet. "Durch die zunehmende Gewitterneigung und den steigenden Wasserspiegel konnte am Mittwoch und Donnerstag in der Schlucht nicht weitergearbeitet werden. Das Wetter bleibt die grösste Herausforderung".

Eine Aussage, die kaum verwundert, wenn wir an die Unwetter-Bilder aus dem Jahr 2014 zurückdenken.

Hier berichtet die Geotest AG weiterhin über den Zwischenstand der Bauarbeiten

Zum Video über die Räumung vom Räbloch

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