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Häusliche Gewalt kennt kein Alter

Gewalt macht vor dem Alter nicht Halt. Dieses Tabu will die nationale Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» dieses Jahr vom 25. November bis 10. Dezember aufbrechen. Die Fachstelle Häusliche Gewalt der Stadt Bern greift diesen Fokus auf und macht ihr Angebot in den Berner Quartieren zugänglich. Betroffene Frauen und Männer sowie Angehörige und Freunde können sich unverbindlich informieren oder eine Kurzberatung in Anspruch nehmen. Unterstützt wird die Fachstelle von der Pro Senectute Region Bern, den Grauen Panthern Bern und der Burgergemeinde Bern.

Vom 25. November bis zum 10. Dezember 2019 findet die nationale Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» statt. Thematisch fokussiert die Kampagne auf Gewalt im Alter. Die Fachstelle Häusliche Gewalt der Stadt Bern nimmt diesen Fokus auf, indem sie Häusliche Gewalt im Alter zum Thema macht. Im Zentrum stehen Betroffene ab 65 Jahren mit Wohnsitz in der Stadt Bern und ihre Angehörigen, Bezugspersonen, Freundinnen und Freunde. Die konkrete Anzahl der Meldungen zu Häuslicher Gewalt in diesem Alterssegment ist klein, allerdings ist von einer relativ hohen Dunkelziffer auszugehen. Es ist für Fachstellen schwierig, diese Zielgruppe zu erreichen.

Viele Facetten: Von Erniedrigung bis Nahrungsentzug

«Die Gewalt in den eigenen vier Wänden im Alter ist eines der grössten Tabus unserer Gesellschaft und hat viele Facetten», erläutert Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern. Mit fortschreitendem Alter werden die Autonomie und die Bewegungsfreiräume unter Umständen aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt. Dadurch verändern sich auch die Abhängigkeitsverhältnisse für viele Menschen. Häusliche Gewalt beschränkt sich nicht auf physische Übergriffe. Psychische Gewalt und Vernachlässigungen sind im Alter weit häufiger. Beispiele dafür sind die Einschränkung der finanziellen Mittel, fehlende Unterstützung bei der Körperhygiene, verbale Demütigungen, Erniedrigungen und Drohungen bis hin zu Nahrungsentzug. «Diese psychische oder physische Gewalt kann von Verwandten oder nahestehenden Personen ausgehen, unabhängig davon, ob sie noch im gleichen Haushalt wohnen oder nicht», so Nause weiter.

Eine internationale Studie in sieben europäischen Ländern hat ergeben, dass jede fünfte Person im Alter von 65 Jahren und älter von Häuslicher Gewalt betroffen ist. Jedes Jahr melden sich in der Stadt Bern nur eine Handvoll Betroffene bei der Polizei oder der Fachstelle Häusliche Gewalt. Scham, physisches sowie psychisches Unvermögen und Angst hindern betroffene Frauen und Männer häufig daran, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist deshalb von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen.

Tabu aufbrechen: Zu den Menschen gehen

«Gerade, weil sich Betroffene im Alterssegment 65+ zunehmend in einem engeren Radius bewegen oder bewegen können, möchte die Stadt Bern nicht nur die breite Öffentlichkeit mit Plakaten und Flyern sensibilisieren, sondern direkt auf die Menschen in den Quartieren zugehen», erklärt Ester Meier, Leiterin Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz. «Wir möchten aber nicht nur die Opfer, sondern auch die Betreuungspersonen ansprechen, die eine anspruchsvolle Pflegearbeit leisten und mit der Situation sehr oft überfordert sind.» An drei Veranstaltungen in der Elfenau, in Bümpliz und in der Innenstadt bietet die Fachstelle Häusliche Gewalt eine «offene Sprechstunde» an. Alle Interessierten können sich dort unverbindlich informieren oder eine Kurzberatung in Anspruch nehmen.

«Wir hoffen, durch diese Kampagne ältere Personen besser zu erreichen und zu motivieren, das Angebot der Fachstelle Häusliche Gewalt zu nutzen», so Ester Meier weiter. Unterstützt werden die Bemühungen der Fachstelle von der Pro Senectute Region Bern, den Grauen Panthern Bern und der Burgergemeinde Bern.

Der Istanbul-Konvention verpflichtet

Am 1. April 2018 ist in der Schweiz das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Häuslicher Gewalt in der Schweiz in Kraft getreten. Die sogenannte Istanbul-Konvention verfolgt das Ziel, jegliche Formen von Gewalt gegen Frauen und Häusliche Gewalt zu verhüten, zu bekämpfen und zu verfolgen. «Diesem Ziel fühlen auch wir uns verpflichtet», fasst Sicherheitsdirektor Reto Nause die Bemühungen der Stadt Bern gegen Häusliche Gewalt zusammen.


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